Atmen ist eine der grundlegendsten Funktionen unseres Lebens. Es passiert automatisch – ohne Nachdenken, rund um die Uhr. Doch ist unser Atemmuster wirklich optimal, um uns gesund, entspannt und energiegeladen zu halten? Viele Menschen glauben, dass es keinen Grund gibt, sich bewusst mit ihrer Atmung auseinanderzusetzen, weil sie ohnehin von alleine funktioniert.
Doch hier liegt der Irrtum: Unsere Atemmuster werden oft durch Stress, schlechte Haltung oder ungesunde Gewohnheiten gestört. Diese dysfunktionale Atmung kann weitreichende Folgen für Körper und Geist haben.
Lass uns das genauer beleuchten.
Automatisches Atmen – ein Wunder der Natur
Es stimmt, dass unser Atem reflexartig vom Gehirn gesteuert wird. Unser Atemzentrum im Hirnstamm sorgt dafür, dass wir auch dann atmen, wenn wir schlafen oder bewusst nicht daran denken. Doch diese automatische Steuerung ist nicht unfehlbar: Sie passt sich an unser Leben an – und das nicht immer zum Guten.
Ursachen für dysfunktionale Atemmuster
Haltungsprobleme:
Langes Sitzen, gebeugte Schultern oder ein eingefallener Brustkorb schränken den Raum für die Lungen ein. Dadurch wird die Atmung ineffizient.
Mundatmung:
Mundatmung kann in bestimmten Situationen wie Sport, intensiver Anstrengung oder aktivierenden Atemtechniken (z. B. Wim-Hof- oder holotropes Atmen) hilfreich sein, da sie eine schnelle Sauerstoffaufnahme und Energiefreisetzung ermöglicht. Als tägliche Atempraxis ist sie jedoch nicht geeignet, da sie flache Atemmuster, Übererregung des Nervensystems und langfristige Gesundheitsprobleme fördern kann. Für den Alltag wird die Nasenatmung empfohlen, da sie den Atemfluss reguliert, die Luft filtert und eine tiefere, entspannendere Atmung unterstützt.
Erkrankungen:
Dysfunktionale Atemmuster wie flaches oder übermäßig schnelles Atmen können nicht nur durch Stress und Traumata (siehe Blog-Artikel Wie Atemarbeit das Nervensystem bei Trauma unterstützt) ausgelöst werden, sondern durch bestimmte körperliche und seelische Erkrankungen verstärkt werden. Chronische Atemwegserkrankungen wie COPD, Asthma oder Long-COVID können die Atemmechanik und den Sauerstoffaustausch beeinträchtigen, was den Körper in einem Zustand ständiger Überforderung hält. Menschen mit solchen Erkrankungen neigen dazu, unbewusst die Atemhilfsmuskulatur zu überbeanspruchen, was oft zu Verspannungen und Erschöpfung führt.
Auf der seelischen Ebene zeigen Studien, dass chronische Angst, Depressionen und Traumata ebenfalls mit flachen Atemmustern einhergehen können. Laut Expert*innen wie Gabor Maté (“The Myth of normal”) verstärken solche Atemmuster den Stresszustand des Nervensystems, was die Regeneration und Heilung erschwert.
Die Folgen unbewusster Atmung und eines dysfunktionalen Atemmusters
Eine schlechte Atemgewohnheit mag harmlos erscheinen, aber sie kann erhebliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben:
- Chronischer Stress: Flache Atmung hält den Körper im „Kampf-oder-Flucht-Modus“ (Sympathikusüberaktivierung). Das kann langfristig zu erhöhtem Blutdruck, Schlafproblemen und einem ständigen Gefühl von Unruhe führen.
- Sauerstoffunterversorgung: Obwohl wir genug Luft einatmen, erreicht der Sauerstoff die Zellen nicht effizient. Grund ist oft ein gestörtes Verhältnis zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut. Mögliche Folgen: ein ständiges Kältegefühl in Händen, Füßen oder generell im Körper.
- Energieverlust: Ineffiziente Atmung „raubt” Energie, weil der Körper härter arbeiten muss, um Sauerstoff zu nutzen und CO₂ auszuscheiden. Das kann sich in Müdigkeit und Konzentrationsproblemen zeigen.
- Körperliche Beschwerden: Fehlatmung kann Verspannungen im Nacken, Schultern und Brustkorb verstärken, da der Atemmuskel (Zwerchfell) nicht optimal genutzt wird.
Warum bewusste Atmung und Atemmtraining wichtig ist
Die gute Nachricht: Unsere Atmung ist nicht nur automatisiert, sondern auch bewusst steuerbar. Indem wir uns mit unserem Atem auseinandersetzen und Atemtechniken anwenden, können wir unseren Körper und Geist positiv beeinflussen.
Die Vorteile bewusster Atmung im Überblick:
– Aktivierung des Parasympathikus (Entspannungsmodus).
– Verbesserte Sauerstoffversorgung der Zellen.
– Reduktion von Stresshormonen wie Cortisol.
– Unterstützung der Verdauung und des Immunsystems.
– Mehr Energie und mentale Klarheit.
Fazit: Ja, Atmen passiert automatisch, aber bewusstes Atmen ist ein Schlüssel zu einer verbesserten mentalen, physischen und psychischen Gesundheit.
Meine Empfehlung: Nimm dir jeden Tag einige Momente, um mit deiner Atmung einzuchecken und spüre den Unterschied. Besuche zum Beispiel meine regulierenden Online-Atemsessions am Abend oder buche eine Atemcoaching Einzelsession.
Deine Susa