Wie Breathwork das Nervensystem bei Trauma unterstützen kann

Hinweis: Ich bin keine Trauma-Expertin. Die Arbeit mit einer/einem qualifizierten Trauma-Therapeut*in ist unersetzlich, wenn es um die Verarbeitung von Traumata und psychologischen Pathologien geht. Die hier beschriebenen Ansätze können eine hilfreiche Ergänzung sein, ersetzen aber keine professionelle Begleitung oder Therapie.

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Unsere Atmung ist nicht nur ein lebensnotwendiger Prozess, sondern auch ein kraftvolles Werkzeug zur Regulation unseres Nervensystems. Besonders im Zusammenhang mit Trauma und dessen Auswirkungen spielt die Atmung eine entscheidende Rolle. Trauma-Expert*innen wie Dami Charf, Verena König, Peter Levine, Gabor Maté, Pete Walker betonen immer wieder, wie wichtig es ist, den Körper und das autonome Nervensystem aktiv in Heilungsprozesse einzubeziehen.

Gleichzeitig sollten wir uns bewusst sein, dass der Begriff “Trauma” heutzutage an vielen Stellen zu lesen ist und verwendet wird. Nicht jede emotionale Herausforderung oder Belastung ist traumatisch im klinischen Sinne. Es ist trotzdem wertvoll, sich um die eigene emotionale Gesundheit zu kümmern, unabhängig davon, ob man von einem Trauma betroffen ist.

In diesem Artikel werfe ich einen Blick darauf, wie emotional belastende Situationen unser Atemmuster beeinflussen und wie bewusste Atemarbeit helfen kann, tiefer zu atmen und unser Nervensystem zu heilen.

Stress & Trauma-response:

Die Trauma-Response beschreibt, wie unser Körper und Geist auf überwältigende Erfahrungen reagieren. Allgemein bekannt wurden die Überlebensstrategien vor allem in Kampf, Flucht oder Erstarren (fight, flight, freeze) unterteilt. Trauma-Experte Pete Walker (2013) hat jedoch eine vierte Strategie identifiziert: die Fawn-Response.

Die Atmung spielt bei allen 4 Reaktionen eine zentrale Rolle:

  • Kampf (fight): Die Atmung wird flach und schnell, der Körper bereitet sich auf Konfrontation vor. Dies ist oft begleitet von Wut oder Aggression als Schutzmechanismus.
  • Flucht (flight): Ähnlich wie beim Kampf beschleunigt sich die Atmung, jedoch mit dem Ziel, der Situation zu entkommen. Der Fokus liegt auf Bewegung und Distanzierung.
  • Erstarren (freeze): Die Atmung wird extrem flach oder stockt, der Körper “friert ein”. Dies ist eine Strategie, um in der Situation “unsichtbar” zu werden oder sich emotional abzukoppeln.
  • Unterwerfung/Bambi-Reflex (fawn): Die Fawn-Response beschreibt ein Verhalten, bei dem die betroffene Person versucht, die Angreifer*innen oder die bedrohliche Umgebung zu besänftigen. Dies kann durch übermäßiges Anpassen, “People Pleasing” oder das Ignorieren der eigenen Bedürfnisse geschehen. Die Atmung kann hierbei subtil und zurückhaltend sein, als würde man nicht “auffallen” wollen.
    Einen sehr guten, ausführlichen Artikel über den Bambi-Reflex findest du hier, auf der Website, der deutschsprachigen Traumaexpertin Dami Charf.

Diese Atemmuster können sich nach der traumatischen Erfahrung verfestigen und den Körper in einem chronischen Stresszustand halten. Laut Stephen Porges (2011), Entwickler der Polyvagal-Theorie, bleibt das Nervensystem in einem dysregulierten Zustand, wenn es keine Möglichkeit gibt, sich sicher zu fühlen.

Das bedeutet, der Körper verharrt in einer Art Alarmmodus, obwohl keine akute Gefahr mehr besteht. Das führt nicht nur zu emotionalem Stress, sondern kann auch körperliche Beschwerden wie u.a. Verspannungen, Erschöpfung oder Verdauungsprobleme verursachen. Dieser chronische Zustand kann das Gefühl von Lebendigkeit und Leichtigkeit stark einschränken, da der Körper ständig in einem Modus des “Überlebens” gefangen ist.

Atemübungen und somatische Arbeit sind hier äußerst wirkungsvoll, da sie das Nervensystem direkt ansprechen und helfen können, den Körper wieder in einen Zustand der Sicherheit und Balance zu bringen. Sie ermöglichen es, den Körper sanft aus diesem Alarmmodus zu führen und einen Zustand der inneren Sicherheit wiederherzustellen.

Ich lade ich dich ein, transformatives Breathwork auszuprobieren. Atemübungen sind weit mehr als eine Entspannungstechnik – sie sind eine Entdeckungsreise zu dir selbst, zu deinen Gefühlen und deinem Potenzial.

Hast du Lust, dich auf diese Reise einzulassen und die heilsame Kraft des Atmens zu erleben? Kontaktiere mich gern, um mehr zu erfahren oder eine Session zu buchen. Ich freue mich darauf, dich auf diesem Weg zu begleiten!

 

Quelle: Porges, Stephen (2011): The Polyvagal Theory: Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication, and Self-Regulation